Reisebericht: Costa Rica mit dem Motorrad (kreuz und quer)

Wenn man im Sommer bereits darüber nachdenkt, wie die Winterdepression überwunden werden kann, kommt man automatisch in die Nähe des Äquators. Wir hatten nach einem Land gesucht, in dem zur deutschen Frostzeit sommerliches Klima herrscht. Beim durchforsten verschiedener Fernreiseanbieter fanden wir im Internet ein Angebot für Motorradtouren in Costa Rica. Der mittelamerikanische Staat ist bereits seit 1949 eine stabile demokratische Republik, hat seine Armee abgeschafft und seit Februar 2010 mit Laura Chinchilla eine Frau als Staatsoberhaupt. Costa Rica wird auch die Schweiz Mittelamericas genannt, was nicht nur an der vergleichbaren Größe liegt, wie wir noch erfahren werden.

Nun war es endlich soweit, dass wir in Frankfurt den 13 stündigen Flug antraten. Zuverlässig wie die Schweizer nun einmal sind hat uns Fredy, unser Motorrad Vermieter, am Flughafen San Jose abgeholt und uns in seinem Wohnort Orosi die Yamaha Enduros übergeben.

Er ist vor einigen Jahren mit seiner Frau aus der Schweiz ausgewandert und hat für uns eine Tour kreuz und quer durch die attraktivsten Regionen Costa Ricas zusammengestellt und in einem detaillierten Roadbook mit Karte ausgearbeitet.

Das Valle Central kennen lernen

Die erste Tagesetappe führt uns durch das wunderschöne Valle Central, ein wichtiges Kaffee Anbaugebiet, vorbei am Vulkan Turrialba (3330m) über die Hafenstadt Limon an die südliche Karibikküste. Um zum Turrialba hoch zu kommen muss eine ca. 17 Km lange „Motocross Strecke“ bewältigt werden, eine gute Einstimmung auf so manche noch vor uns liegende Schotterpiste.

Bis in die Karibik…

Weiter geht es an diesem Tag dann aber über die perfekt asphaltierte kurvenreiche Straße bis zur Karibikküste mit dem erwarteten Sandstrand, Wellen und Palmen. Einer der letzten Orte vor der Grenze zu Panama ist Puerto Viejo, ein quicklebendiger Ort, der gekennzeichnet ist durch viele junge meist amerikanische Surfer und Althippies, die hier in den Tag leben und das caribische Lebensgefühl, unterstützt durch einen Joint, verinnerlicht haben. Hier können wir uns einige Tage in einem hervorragenden Hotel-Resort akklimatisieren und kleinere Tagesausflüge in die Umgebung unternehmen. Die Schutzkleidungsverordnung wird bei den herrschenden Temperaturen rasch über Bord geworfen und man findet sich plötzlich in kurzer Hose und T-shirt landestypisch bekleidet im Sattel wieder. Der Kontakt zu den „Ticos“, so nennen sich die Costa Ricaner selbst, ist durch unsere, für dortige Verhältnisse großvolumigen Maschinen immer schnell hergestellt. Die XTZ 660 Tenere, von mir „Dicke Bertha“ getauft, und die leichtere XT 600 meiner Frau fallen in dem Heer von 150 ccm Maschinen gleich auf. Erstaunlich viele Ticos sprechen englisch, so dass ein minimaler Spanischwortschatz für eine lebhafte Diskussion über unser Herkunftsland und die Maschinen ausreicht.

Der Norden Costa Ricas

Die Route bringt uns wieder nach Norden, vorbei an endlosen Bananenplantagen, in eine Region mit ursprünglichem Regenwald in dem verschiedene Naturreservate erwandert werden können. Für Botaniker und Vogelkundler ein Paradies, hat doch Costa Rica weltweit die größte Artenvielfalt zu bieten. Spektakulär sind Wanderungen z.T. über Hängebrücken, die in bis zu 60 Metern Höhe über 250 Meter Länge durch die Baumkronen führen. Die Stadt La Fortuna liegt zu Füßen des Vulkan Arenal, der noch immer aktiv ist und täglich etwas Lava ausspuckt. Leider hüllte er sich während unserer Anwesenheit immer in Wolken, so dass wir die Spitze nie zu Gesicht bekamen. Um den Vulkan herum ist aber für ausreichend Alternativprogramm, wie Reittouren, Kanutouren, Rafting usw. gesorgt. Ein Highlight für Motorradfahrer ist die Strecke am Arenalsee entlang, kilometerlang eine Kurve nach der anderen, kaum Verkehr, bester Asphalt, man könnte fast die Enduros aufs Knie bringen.

An dieser Seeuferstraße liegt auch ein kurioses Hotel, welches sich ein ausgewanderter Schweizer im typischen heimatlichen Heidistil gebaut hat. Damit nicht genug, hat er sich auch eine private Eisenbahnlinie durch seinen zugegeben sehr großen Garten gebaut.

Im Ort Nuovo Arenal (das alte Arenal ist in den Fluten des Stausees verschwunden) werben Tom und Ellen, ein deutsches Auswandererpaar, mit der German Bakery, in der es neben leckeren Backwaren natürlich auch Weißwürste, Sauerkraut und Erdinger gibt. Ein kurzer Halt ist hier einfach Pflicht und ganz amüsant.

Der Nebelwald in Monteverde

Nächstes Etappenziel ist Monteverde mit seinem gleichnamigen einzigartigen Nebelwald-Reservat. Der Weg dorthin ist ab dem Ort Tilaran über ca. 40 km eine wirklich wüste Naturpiste, in der es schon einmal Löcher und Rinnen gibt in den selbst ein 21 Zoll Vorderrad verschwindet. Nach drei Stunden und einer Mittagspause in einem der überall vorhandenen „Sodas“, kleine einheimische Eßlokale mit einfachen Gerichten, haben wir auch diese Strapazen hinter uns und checken im Swiss Hotel Miramonte ein. Nicht zum letzten Mal treffen wir hier auch wieder auf einen Schweizer, der sich vor Jahren in Costa Rica verliebt hat und mit seiner Frau hierher ausgewandert ist. Langsam wird uns klar, dass es ein Netzwerk von deutschen und schweizer Hoteliers gibt, mit denen unser Moto-Vermieter zusammenarbeitet, nicht zu unserem Nachteil. Die Hotels sind ausnahmslos von hohem Standard.

Monteverde ist eine wundevolle, hochgelegene fruchtbare Hügellandschaft, die ihren Namen von ausgewanderten amerikanischen Quäkern erhielt, die sich im 17. Jahrhundert wegen ihrer pazifistischen Einstellung und Kriegsdienstverweigerung hier einen neuen Lebensraum schaffen mußten. Nachts wird es hier oben empfindlich kalt und wir waren froh über die zusätzlichen Wolldecken in den Betten. Das Mysterium des Nebelwaldes kann man an verschiedenen Reservaten in Ruhe zu Fuß oder unökologisch mittels Canopy Seilbahnen entdecken. In letzterem Fall wird man wegen des Gekreisches der Touristen aber kein einziges Tier zu sehen bekommen.

Pazifikküste in Costa Rica

Von Monteverde führt uns der Weg jetzt runter zum Pazifik. Nach nochmals 20 km Schotter erstreckt sich plötzlich eine nagelneue perfekt geteerte Straße vor uns, die in irren Windungen den Berg hinabführt, über Las Juntas bis zur Halbinsel von Nicoya. Der Temperaturwechsel von der Kühle im Hochland zu über 30 °C am Meer in der relativ kurzen Zeit war im positiven Sinn schockierend. Für uns beide war dieser Moment berauschend und emotional, da wir den Pazifik noch nie gesehen hatten. Schnell kreuzten wir die Panamericana, die in Costa Rica „Carretera Inter Americana“ heißt und fuhren über eine gute Asphaltstraße bis zum Ort Samara. Auf der Brücke über den Golf von Nicoya ist übrigens ein kleiner Stopp und ein Blick über das Geländer empfehlenswert. Aber bitte gut festhalten, unten lauern leibhaftige Krokodile im seichten Wasser und auf Sandbänken.

Die letzten 30 km des Tages bis zu unserem Hotel am Playa Guiones sind auf festem Schotter schnell erledigt, dann geht es ab in die Brandung. Die Sonnenuntergänge am Strand sind auf der Westseite Costa Ricas natürlich filmreif. Das Hotel, welch Wunder, wieder von einem schweizer Paar geführt, liegt nahezu direkt am Strand und lässt keine Wünsche offen.

Alles Pura Vida oder was?

Hier wird uns klar was, die Ticos mit Pura Vida meinen, einem Ausdruck, der sowohl Lebensmotto ist, als auch freundliche Grußform untereinander. Wenn neben hervorragender Küche auch noch das sehr empfehlenswerte landestypische Imperial Bier zischt, dann fühlt man das „pralle Leben“.

Nach einigen Tagen erholsamen Strandurlaubes sind wir wieder nach Süden aufgebrochen, um entlang der Küste das richtige fahrerische Abenteuer zu erleben. Die regenfreie Jahreszeit in unserem Winter erlaubt diese Streckenführung, da bei den notwendigen Flußdurchfahrten der Wasserstand niedrig genug ist. Bei der ersten Durchquerung trägt man noch filmreif zuerst das Gepäck aufs andere Ufer und erkundet die beste Fuhrt und vor allem die Auffahrt am anderen Ufer. Ab der Dritten hebt man nur noch die Beine an und fährt in einem Zug durch. Aber nicht zu schnell, sonst „bläst“ einem das Spritzwasser die Zündkerzen aus.

Bei den Sand-Passagen am Strand entlang muss man den richtigen Bereich finden zwischen dem nassen Sand in Wassernähe und dem weichen Trockenen, dann geht die Fahrt sogar zügig voran und macht höllisch Spaß.

Vom quirligen Ort Montezuma geht es dann wieder auf neuer Asphaltstraße nach Norden zur Fähre von Paquera um die Halbinsel Nicoya wieder zu verlassen.

Der Ort Manuel Antonio mit seinem gleichnamigen Naturpark darf auf keiner Costa Rica Rundreise fehlen, wenngleich das Städtchen schon leicht an touristische Hochburgen der spanischen Costa Brava erinnert. Mengenweise Hotels, Bars, Restaurants, Shops und Liegestuhlvermieter am Strand. Eigentlich ein Schock zum bisher erlebten. Der Park hat am Montag geschlossen, damit er nach dem Ansturm der Wochenendbesucher wieder gesäubert werden kann. Dann ist er aber auf alle Fälle einen Besuch wert und lädt an seinen breiten palmengesäumten Stränden zum Baden ein.

Fazit

Unsere Zeit in Costa Rica neigt sich dem Ende zu und wir müssen die Rückfahrt zu unserem Motorradvermieter antreten. Jetzt fahren wir landeinwärts auf einer superkurvigen tollen Straße nach San Isidro, einer relativ großen, unübersichtlichen Stadt, wo wir auf die Carretera Interamericana stoßen. Diese führt uns in nördlicher Richtung über den mit 3300 Metern höchsten Pass der gesamten Panamericana, den „Cerro de la muerte“. In der Höhe ist es empfindlich kalt und in den Wolken hat man zeitweilig nicht mehr als 20 Meter Sicht, daher wohl der Name Todespaß. Die Route ist Hauptverkehrsader für die Riesentrucks, die sich durch das kurvenreiche Gebirge quälen und oft eine Schlange von PKWs hinter sich halten. Mit einem Motorrad ist das Überholen jedoch die reine Freude und man kommt zügig voran. Nach ca. 1700 Km steht am Ende die Ankunft in Orosi und Rückgabe der Enduros an.

Wir verabreden uns für den Abend noch mit Franzi und Fredy zum Essen und lassen den schönsten Urlaub unseres Lebens Revue passieren.

Am nächsten Morgen holt uns Fredy schon um 5 Uhr ab um uns zum Flughafen zu bringen. 13 Flugstunden später stehen wir wieder in Frankfurt im deutschen Winter.

Aber in uns ist etwas von „Pura Vida“ haften geblieben, das uns hoffentlich immer vor dem „beschleunigte Leben“ in unserer Welt bewahrt.

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